Vielen Dank an Manfred Weiß und der Zeitung Main-Echo für diesen Bericht.

TVG will künftig mit Juniorteam punkten

Handball: Neues Trainergespann Hess/Heß soll in einer verjüngten 2. Mannschaft des Zweitligisten den Leistungsaspekt stärker verankern

Der TV Großwallstadt unternimmt einen weiteren Anlauf, um der Abwanderung junger Talente nach ihrem Ausscheiden aus der Junioren-Akademie entgegenzuwirken.

Der neue Coach Alex Hess, dem als Co-Trainer der mit ihm nicht verwandte Timo Heß zur Seite steht, soll ab der Saison 2024/25 in einer verjüngten 2.Mannschaft stärker als in der Vergangenheit den Aspekt Leistung verankern. In diesem Handball-Juniorteam soll das allein schon durch einen deutlich höheren Trainingsumfang zum Ausdruck kommen.

Der Neuausrichtung legt eine altbekannte Problematik zugrunde. Seitdem es die TVG-Junioren Akademie mit ihrem Vorläufer Handball-Leistungszentrum gibt, hat man regelmäßig junge Sportler, die dort ausgebildet wurden, an andere Vereine verloren, sobald sie der A-Jugend entwachsen waren. Hinzu kommt, dass die
2.Mannschaft des Clubs selbst in besten Bundesligazeiten in unteren Spielklassen auflief, so dass sie für diese Talente nie attraktiv genug war. Mit der Folge, dass das Erstligateam seinen Profi-Kader fast ausschließlich durch Einkäufe komplettieren musste.

Mit einem Juniorteam wollen Altverein, die TV Großwallstadt GmbH und die Akademie eine Verbesserung erzielen.

»Wir versprechen uns viel von dem Juniorteam. Es soll helfen, unsere Talente zu stärken und besser zu fördern«, sagt Sport-Geschäftsführer Michael Spatz.

Jan-Steffen Minerva, beim TVG sportlicher Direktor für die Nachwuchsförderung, ergänzt: «Der Grundgedanke ist die Spieler der Akademie erst mal in Großwallstadt zu halten
Wir müssen aber den Übergang von der A-Jugend zu den Männern besser managen. Wir wollen künftig den jungen Spielern die Möglichkeit und die Zeit geben, Sich bei uns in einem Perspektivteam zwei, drei Jahre lang so zu entwickeln, dass sie danach in der Oberliga, der 3. Liga oder auch der 2. Bundesliga eine Rolle spielen können und nicht nur mitschwimmen«.

Zwar hatte der TVG in den letzten beiden Jahren Talente wie Moritz Klenk und Anton Bayer in den Zweiligakader hochgezogen, und in der kommenden Saison wird der junge Ukrainer Emil Shukov als dritter Torhüter dort trainieren. In der Summe aber war das viel zu wenig.

Spatz: »In der Vergangenheit war das immer etwas zufällig, künftig soll es besser koordiniert und das Ergebnis harter Arbeit sein.«

Basis für die Weiterentwicklung soll laut Minerva eine Steigerung der Trainingsintensität und -qualität sein. Bis zu fünfmal sollen die Spieler des Juniorteams In der Woche trainieren. Auch das Zweitligateam, die Akademie und Nachbarvereine will man da einbinden.

Eine Herausforderung für den neuen Coach Alex Hess und Co-Trainer Timo Heß wird es sein, Handballer mit unterschiedlichen Profilen unter einen Hut zu bringen. Da gibt es die Generation Sturm und Drang, die so oft wie möglich trainieren will. Dazu zählen die für das Juniorteam fest eingeplanten Konstantin Knabe, Anton Bayer, Dmytro Redkyn, Emil Shukov und Vadym Oskilko. Und dann gibt es die etwas älteren Spieler, denen der Beruf Grenzen setzt.

Erfolge mit Nieder-Roden

Alex Hess trainierte nach seiner aktiven Handballerzeit in Kirchzell, Obernburg und in Rodgau erfolgreich Jugendmannschaften der HSG Rodgau Nieder-Roden, wurde mit einem Team Hessenmeister und zog auch einmal in das Achtelfinale zur Deutschen Meisterschaft ein. Seit über zehn Jahren sichtet er als Auswahlcoach
Talente im Bezirk. Für Minerva ist der Realschullehrer »ein sehr ehrgeiziger Trainer, der Qualität hat und den Handball in der Region kennt.«

Hess freut sich auf die neue Aufgabe und hat nach eigener Aussage »von den Jungs ein sehr positives Feedback« bekommen. Allerdings warnt der 38-Jährige, »der ein Freund von Understatement« ist, vor zu hohen Erwartungen: »Die jungen Spieler brauchen Zeit, Sie müssen sich Stück für Stück entwickeln  «Daher verzichtet man bewusst darauf, den Aufstieg aus der Bezirksoberliga Odenwald/Spessart, als Saisonziel auszurufen. »Natürlich wollen wir das Team mittelfristig nach Oben bringen, aber in der nächsten Runde wird das sicher nicht passieren.« So hat Hess großen Respekt vor den alteingesessenen Mannschaften in der Liga, die mit Spielern im Alter Mitte bis Ende 20 mit viel Erfahrung und körperlicher Robustheit Vorteile hätten.
„Solche Teams kann man nicht im Vorbeigehen schlagen.«

Michael Spatz ist überzeugt dass der Großwallstädter Handball mit der Neuausrichtung in wenigen Jahren die Früchte der Arbeit ernten wird. Auch weil sich die Gründung einer C-Jugend in der Akademie, die »eine super Quali gespielt hat«, als richtig herausgestellt habe. Und Minerva ist noch wichtig: Klar wolle der TVG
von dem Juniorenteam »profitieren, man werde aber immer »das Spieierwohl« im Auge behalten.
Heißt: Hat ein Handballer eine Qualität erreicht, die über BOL Niveau hinausgeht, dann werden wir ihm keine Steine für einen Wechsel in die Oberliga oder in die 3.Liga in den Weg legen«.